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18:00 - 21:00 Uhr
Landhaus Greene, Steinweg 5, 37574 Einbeck  /  Kreisverband DIE LINKE. Northeim

Veranstaltung Jutta Krellmann

Die aktuell in der Breite geführte Diskussion lässt leider an Trennschärfe vermissen. So werden unter dem Begriff „Digitalisierung“ in vielen Diskussionen unterschiedliche Entwicklungen in verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt zusammengeworfen und nicht selten ergebnisoffen debattiert. Zum Teil werden dann Folgen von „Industrie 4.0“ zwei Atemzüge entfernt in Zusammenhang mit Crowdworking oder dem Problem der räumlich-zeitlichen Entgrenzung in

Verwaltungs- und Dienstleistungsbereichen diskutiert. Selbstverständlich können diese Entwicklungen zusammenhängen, das Wie findet wird jedoch kaum betrachtet. - in diesem Sinne berichtet Jutta Krellmann als Gewerkschafterin und Mitglied des Bundestages. Der Besuch ist kostenfrei und jeder ist herzlich eingeladen mit zu diskutieren.

 

Jutta Krellmann referiert über folgendes: (Auszug aus der Stelungsnahme vom 08.06.2016 - veröffentlicht unter https://www.arbeitenviernull.de/dialogprozess/fachdialog/stellungnahmen/die-linke.html

Im Anhang das betreffende PDF. Hier die Einleitung: 

Unter dem Label „Industrie 4.0.“ werden Trends der Informatisierung der Fertigungstechnik und der Logistik diskutiert, in denen es vor allem um neue Formen der Automatisierung von industrieller Produktion geht („Smart Factory“, „Internet der Dinge“ oder „Cyber-Physical Systems“).

Der Begriff „Industrie 4.0“ ist eine Wortschöpfung, die 2011 im Rahmen der HightechStrategie der Bundesregierung eingeführt und im Anschluss breitflächig übernommen wurde. Sie soll „die vierte Stufe der industriellen Revolution“ bezeichnen. Inzwischen wird der Begriff auch synonym für Entwicklungen in anderen Bereichen verwendet, die von der Digitalisierung betroffen sind. Tatsächlich gibt es kaum einen Bereich, in den die Digitalisierung bisher nicht eingezogen wäre. Daher stellt sich zu Recht die Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf unsere Gesellschaft hat. Mit dem „Grünbuch Arbeiten 4.0“ (im Folgenden Grünbuch) und dem im April 2015 gestarteten Dialogprozess hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Debatte zu möglichen Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt durch die zunehmende Digitalisierung und der sich daraus ergebenden Folgen für „die Institutionen des Sozialstaates in der Arbeitswelt 4.0“ angestoßen.

Ende 2016 sollen im Rahmen dieser Debatte mit dem „Weißbuch Arbeiten 4.0“ konkrete Handlungsbedarfe aufzeigt und mögliche Lösungsvorschläge präsentiert werden. Im „Grünbuch – Arbeit 4.0“ wird das Thema Arbeit „als zentrale Schnittstelle der Veränderung“ genannt. Gemeint sind damit „nicht nur die neuen Technikwelten der Industrie 4.0“, sondern „die Arbeit der Zukunft in ihrer ganzen Breite und Vielfalt“.Doch gerade im Bereich „Arbeit“ bleibt der öffentliche Diskurs auffallend ergebnislos.

Der Grund liegt auf der Hand: Kern der Auseinandersetzung ist ein wirtschaftstechnologischer Wandel, der gerade erst im Beginn begriffen ist. Die Tatsache, dass der derzeitige Diskurs in weiten Teilen von Annahmen über die Zukunft geprägt ist, macht es den politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteuren nahezu unmöglich, konkrete Handlungsbedarfe für die Gegenwart abzuleiten. Wie umfangreich und fundamental dieser Wandel in der Zukunft aussehen wird, kann niemand sicher voraussagen. Eine Studie der Universität von Oxford hatte 2013 noch prophezeit, dass die Hälfte aller Jobs in der USA durch eine Umstellung auf Computer zu verschwinden droht. Zwei Jahre später wurde diese Studie vom IAB auf die Anwendbarkeit im Bundesgebiet untersucht und widerlegt.

Nur 0,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seien tatsächlich betroffen, so das IAB.2 Angesichts der Unmöglichkeit, sichere Voraussagen über die Zukunft zu treffen, erstaunt die Richtung und Intensität des Diskurses.3 Nahezu unwidersprochen bleibt die Annahme, dass es beim Thema Digitalisierung um nicht weniger als «die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland und Europa, eine Neuverteilung der Märkte, um enorme Wachstumspotenziale und den Traum eines digitalen ‹Wirtschaftswunders›» geht. In dem Moment jedoch, in dem Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt, zur "Schicksalsfrage der deutschen Industrie"4 erhoben wird, wird ein neuer „Alternativlos“-Narrativ geschaffen.

Der durch die Digitalisierung angestrebte technische Fortschritt und der dadurch erwartete Anstieg der Arbeitsproduktivität soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sichern. Das Wirtschaftswachstum eines Landes hängt aber zu einem bedeutenden Teil auch von dem Kaufkraftzuwachs der Bevölkerung und dem Wachstum des Binnenmarktes ab. Dieser Aspekt wird von der Bundesregierung sträflich unterbelichtet. Als entscheidend für den Erhalt von Arbeitsplätzen dürfte sich in diesem Zusammenhang erweisen, dass die Löhne den Verteilungsspielraum (Entwicklung der Arbeitsproduktivität plus Inflationsziel der EZB) voll ausschöpfen. Geschieht dies nicht, bleibt die hiesige Wirtschaftsentwicklung und damit die Beschäftigung zunehmend abhängig von der Auslandsnachfrage.

Bei steigender Produktivität muss erneut über eine Verkürzung der Arbeitszeit bzw. über eine Neuverteilung von Arbeitszeit nachgedacht werden. Die Bundesregierung stellt zwar „flexible“ Arbeitszeiten in Aussicht, hat aber den Zusammenhang von Digitalisierung, steigender Arbeitsproduktivität und ihren Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung nicht im Blick. Sie droht damit ein wesentliches Potenzial der Digitalisierung nicht zu realisieren. Die entscheidende Frage ist, wem die Produktivitätssteigerung zu Gute kommt: Allein den Unternehmen oder auch der Gesellschaft?

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Veranstaltungsort

Landhaus Greene, Steinweg 5, 37574 Einbeck

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